Reformvorschlag zur Notarztausbildung in Österreich

Zunehmend differenzierte Anforderungen an die innerklinische wie prähospitale Notfallversorgung sowie eine wachsende Zahl interdisziplinärer Notfallaufnahmen erfordern entsprechend qualifizierte Ärzte. Um dem Anspruch einer hochwertigen Patientenversorgung gerecht zu werden und einer zeitgemäßen und effizienten Versorgungsstruktur Rechnung zu tragen, ist eine neue Regelung für die Ausbildung dieser Notfallmediziner in Österreich unabdingbar. In einem multidisziplinären Weiterbildungsansatz müssen Kollegen aus allen Akutfächern spezifische, über die eigene Kernkompetenz hinausgehende Qualifikationen vermittelt werden.

Für Österreich ist aufgrund der etablierten, mit ärztlicher Fachkompetenz ausgestatteten prähospitalen wie innerklinischen Strukturen eine abgestufte Notfallausbildung sinnvoll. Die ÖGARI schlägt daher ein dreistufiges Konzept vor:

  • Stufe 1: Allgemeine Notfallkompetenz (für jeden klinisch tätigen Arzt). Diese ist als Basisausbildung und notfallmedizinisches Fundament für alle Ärzte gedacht, qualifiziert jedoch nicht für den Rettungsdienst ! Angestrebt wird das Niveau eines "ärztlichen First Responders", vom Ausbildungsumfang etwa dem aktuellen § 40 ÖÄG entsprechend.
  • Stufe 2: Spezielle Notfallmedizin (für den prähospital sowie in der Notfallaufnahme eigenverantwortlich tätigen Arzt). Für diese Stufe notfallmedizinischer Kompetenz wird ein interdisziplinärer Ansatz in allen klinischen Sonderfächern mit konstanter, unmittelbarer Patientenbetreuung angestrebt. Die theoretische Ausbildung umfasst ein zeitliches Ausmaß von mindestens 80-120 Stunden (inkl. praktisches Training und Simulation). Die Ausbildung umfasst weiters eine genau definierte postpromotionelle klinische (Mindest-)Erfahrung von zumindest 24 Monaten, einen abzuarbeitenden "medical skills"-Katalog sowie Lehreinsätze an einem Notarztmittel und das Recht zur selbständigen Berufsausübung.
  • Stufe 3: Additivfach Notfallmedizin Dies ist als Fernziel anzustreben. Besonders auch unter dem Gesichtspunkt der europäischen Entwicklung ist der Bedarf nach einer entsprechenden Qualifikation evident. Ein eigenständiger Facharzt für Notfallmedizin wird für Österreich von ÖGARI, Ärztekammer wie auch Ministerium abgelehnt, da neben der schon erwähnten fehlenden Eignung für das nationale Notfallwesen insgesamt eine inflationäre Tendenz für eigenständige Fachrichtungen besteht. Unter dem Aspekt begrenzter Ressourcen erscheint die skizzierte abgestufte Regelung nicht nur sicherer, was die künftige Bedarfsdeckung an Ärzten für die präklinische Notfallmedizin angeht, sondern auch deutlich günstiger in Hinblick auf die entstehenden Ausbildungskosten. Speziell die Anästhesiologie, zu deren Kernkompetenz die Vermittlung notfallmedizinisch relevanter Fähigkeiten (Atemwegssicherung, Kreislaufmanagement, Reanimation und interdisziplinäre Intensivmedizin aller Altersgruppen) zählt, ist hier gefordert. Die verpflichtende Integration des Sonderfachs Anästhesiologie und Intensivmedizin in den Turnus (Minimum: 3 Monate) wäre ein erster, entscheidender Schritt in die richtige Richtung.

Artikel Ausbildung AIC News

Letzte Aktualisierung am 16.10.2014

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